regioSingers
Gesangverein Frauenfeld
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Chronik

2017


Seit Frühjahr 2017 nennt sich der Verein auch regioSingers. Dieser neue Name widerspiegelt die Tatsache, dass mittlerweile knapp die Hälfte der SängerInnen aus der weiteren Region kommt, einige aus Nachbardörfern und "nur" rund 50 Prozent aus der Stadt Frauenfeld. Mehr dazu...


Die regioSingers während dem Einsingen zum Einweihungsfest des AZ Stadtgarten, Frauenfeld.  Mai 2017      Foto J.Niedermann


Dirigenten/Dirigentinnen

Philippe Frey               2017-

Claudia Breu                2015-2017
Claudia Hugentobler  2001-2015

Der GVF mit der Dirigentin Claudia Breu am St. Galler Kantonalgesangsfest in Oberbüren, Mai 2016     Foto M.Rogozia/B. Scherrer


2007 - Umwandlung in einen gemischten Chor

1955 - Das hundertjährige Bestehen  
Mit einem dreiteiligen Programm - Abendunterhaltung  in der Festhütte, verbunden  mit der Weihe des neuen Banners, dem Jubiläumskonzert mit der Stadtmusik und dem Tenor M. Lichtegg in der Stadtkirche und dem Festakt in der Kantine – wird der Chor am 9. und 10. Juli 1955 das hundertjährige  Bestehen in würdigem  Rahmen feiern.


Die Tätigkeit des Chors und seiner  Dirigenten seit 1906

Die Leistungsfähigkeit eines Chores hängt neben den vorhandenen Stimmen und der Disziplin der Sänger weitgehend von der Begabung der musikalischen Leitung ab.  Seit dem tiefsten Punkt im Jahre 1876 trat unter den Dirigenten G.  Schweizer,  J. Sigrist und H. Wydler eine erfreuliche Entwicklung ein.
Das schlechte Abschneiden am Eidgenössischen Sängerfest in Zürich wenige Wochen nach der glanzvollen Jubiläumsfeier im Jahre 1905 wirkte dann allerdings wie eine kalte Dusche.  Der Vortrag wurde zur grossen Enttäuschung von Dirigent und  Chor nur als „genügend" taxiert. Im Festbericht ist vor allem die mangelhafte Aussprache beanstandet worden. Daraufhin suchte sich Musikdirektor Wydler einen andern Wirkungskreis.

Die Wahl von Musikdirektor Eugen Züst von St. Gallen erwies sich in der Folge als eine überaus glückliche. Seine Tätigkeit von 1907-1929 war nicht nur für unsere Stadt eine segensreiche sondern die zielbewusste Arbeit führte den Gesangverein auf eine hohe Stufe. Unter der Leitung von Eugen Züst wurden neben vielen Kompositionen der Männerchorliteratur zahlreiche grössere Werke aufgeführt. Der Chor kehrte aber auch von allen besuchten kantonalen oder eidgenössischen Feten mit dem Lorbeerkranz heim. Diese Erfolge sind umso erstaunlicher, als der Probenbesuch nicht immer befriedigen konnte.
Recht schwierig gestaltete sich der Gesangsbetrieb während der Kriegsjahre. Die meisten Sänger hatten abwechslungsweise Grenzdienst zu leisten. Auch nach 1918 gehörte jährlich mindestens ein grösseres Konzert, wiederum mit zum Teil bekannten Künstlern, neben den Abendunterhaltungen zu den regelmässig wiederkehrenden Aufgaben. Nach dem starken Rückgang der Aktivsänger von 83 auf 50 in den Jahren 1906 bis 1910 bedurfte es einer intensiven Werbung um den alten Bestand wieder zu erreichen. Es war der Verdienst des seinerzeitigen Präsidenten Emil Lemmenmeyer, dass der Chor 1928 wieder 85 Mitglieder zählte.
Die zielbewusste Arbeit von Musikdirektor Eugen Züst fand 1929 durch seinen plötzlichen Tod ein jähes Ende und war für Frauenfeld und den Gesangverein ein schwerer Schlag.

Eugen Züst, Dirigent von 1907-1929

Im September 1929 wählte der Gesangverein  Max Sturzenegger zu seinem Dirigenten. Mit dem Jubiläumskonzert zum 75jährigen Bestehen des Vereins am 15. Juni 1930 in der Stadtkirche führte sich der neue Leiter in unserer Stadt gut ein.  Acht Jahre dauerte seine Tätigkeit, bei der er etliche  grosse Werke erfolgreich aufführte.
Als Nachfolger wurde im Frühling 1937 Musikdirektor Ernst Schaerer von Frauenfeld gewählt. Gelegenheit zur Bewährung gab dem begabten Dirigenten das vom Chor im gleichen Jahr durchgeführte Kantonalgesangfest. Er bewältigte die grosse Arbeit  mit Geschick. Auch das Rathauskonzert mit Opernchören im Jahre 1939 zusammen mit dem Frauenfelder Stadtorchester zeugte von gründlicher Vorbereitung. Leider war die Dirigententätigkeit von Ernst Schaerer nur von kurzer Dauer  (bis 1943).
Max Lang, Kantonsschullehrer und Vizedirigent übernahm in freundlicher Weise die interimistische Leitung.
Im Frühling 1944 wurde provisorisch Musikdirektor Emil Bächtold zum neuen Dirigenten gewählt. Am Kantonalgesangfest in Romanshorn blieb aber dem ohne Zweifel talentierten Musiker der Erfolg versagt und der Chor stimmte der nachgesuchten Vertragsauflösung zu. Bis zum Frühjahr 1948 übernahm Max Lang den verwaisten Dirigentenposten wieder. Ein Rathauskonzert mit dem stimmgewaltigen Barton Marko Rothmüller bildete einen würden Abschluss.
Im Februar 1948 wählte unser Verein Musikdirektor Paul Danuser in Frauenfeld zu seinem neuen Leiter. In einer ganzen Reihe schöner Veranstaltungen wurden seither Proben guter Schulung abgelegt und auch an den besuchten Festen hat der Chor ausgezeichnet abgeschnitten.

Der Mitgliederbestand
Die Entwicklung des Mitgliederbestandes seit 1905 sieht grafisch dargestellt folgendermassen aus:

Anfang der dreissiger Jahre überstieg die  Zahl der Sänger für kurze Zeit die Hundertergrenze, doch fiel infolge der Krisenzeit der Bestand bald wieder auf 80 Mann. Die Zahl der Passivmitglieder bewegte sich in all den Jahren zwischen 180 und 230.


Dirigenten
1905-1955

Paul Danuser Musikdirektor    1948 -
Max Lang, interim. Leitung   1947 - 1948
Emil Bächtold     1944 - 1947
Max Lang, interim. Leitung   1943 - 1944
Ernst Schaerer     1937 - 1943
Max Sturzenegger        1929 - 1937
Eugen Züst      1907 - 1929
Wydler H., Musikdirektor    1893 - 1905


Präsidenten
1905-1955

Erwin Goetz, Buchdrucker    1947 - 1955
Fritz Bürki, Telefonchef    1944 - 1946
Hugo Hugelshofer, Postbeamter    1943
Max Häusermann, Kaufmann   1938 - 1942
Jakob Engeli, Steuerkommissär   1935 - 1937
HermannSchneller, Oberrichter   1930 - 1934
Emil Lemmenmeyer, Lehrer   1925 - 1929
Dr. Hans Kriesi, Kantonsschullehrer  1922 - 1924
Jakob Bär, Fotograf     1920 - 1921
Gottwalt Walder, Papeterist   1916 - 1919
Jean Rutishauser, Fabrikant   1910 - 1915
Dr. Ernst Philippe, Kantonschemiker  1903 - 1909

Sängerfeste
Sehr gute Erfolge an Sängerfesten hatte der Gesangverein, wie bereits erwähnt, vorerst unter der Leitung von Musikdirektor Eugen Züst zu verzeichnen.

Der Männerchor Frauenfeld an Kantonalen  Anlässen
1951  in Bischofszell

Der Tod in Flandern  von Ph. Mohler, glänzender Erfolg
1947   in Romanshorn
In der St. Johannisnacht von Hans Huber, Misserfolg
1933  in Kreuzlingen
Waldlied von Paul Müller, freier Vortrag, Leitung Max Sturzenegger
1929  in Arbon
Schlafwandel von F. Hegar,freier Vortrag unter der interimistischen Leitung von Musikdirektor Züllig Flawil
1925  in Weinfelden
Wettlied des Männerchors: die beiden Särge von F. Hegar
Lorbeerkranz
1910  in Bischofszell
 Wettlied: In den Alpen von F. Hegar
 Lorbeerkranz

Der Männerchor Frauenfeld an Eidgenössischen Sängerfesten
1954  in St. Gallen

Wettlied: Waldkonzert von Paul Zoll
Auszeichnung Lorbeer erster Klasse
1935  anstatt nach Basel zu gehen, wird der längst fälligen Sängerreise der Vorzug gegeben.
1928  in Lausanne
Wettlied: Säerspruch von E. Lendvai
Lorbeerkranz
1922  in Luzern
 Wettlied: Bundeslied von F. Hegar
 Lorbeerkranz
1912  in Neuenburg
 Wettlied: Des Sängers Lenzlied von G. Angerer
 Lorbeerkranz

Zweimal in den letzten fünfzig Jahren sind unserem Chor Kantonalgesangsfeste zur Durchführung übertragen worden, nämlich 1921 und 1937. Neben diesen kantonalen Festen veranstaltete der Gesangverein drei Sängertage: 1919 als Bezirkssängertreffen,, 1930 anlässlich des Jubiläums  zum 75jährigen Bestehen, 1954 an der Schwelle des zweiten Jahrhunderts.

Der Gesangverein auf Reisen
Vor der Jahrhundertwende und in den ersten Jahrzehnten nachher wurden Sängerreisen oft mit Bergtouren oder Passwanderungen verbunden. Vielen Sängern vermittelte eine solche Sängerfahrt bei schönem Wetter unvergessliche Eindrücke.

Das Ziel der dritten Sängerfahrt im Jahre 1906 war das Brienzer Rothorn und die Kleine Scheidegg. Dauer drei Tage mit 31 Teilnehmern.
Im Jahr 1910 machten sich 37 Sänger für eine dreitägige Fahrt ins Bündnerland reisefertig. Sie führte über Chur-Tschiertschen-Ochsenalp-Arosa-Maienfelder Furka nach Davos.
Dann aber trat ein Unterbruch von vollen 22 Jahren ein. In diesem Zeitabschnitt hat der Chor allerdings sämtliche eidgenössischen und kantonalen Feste besucht, wodurch die Finanzen der Sänger schon stark genug beansprucht wurden.
Das Bündnerland war 1932 wiederum das Ziel. Diesmal ging es über Chur-Disentis-Santa Maria-Ritomsee-Gotthard an den Vierwaldstättersee. Drei Tage, 70 Teilnehmer.
Auch 1935 wurde das Land der 150 Täler wieder als Reiseziel gewählt. Der Weg führte über Pontresina-Alp Grüm-Diavolezza-Morteratschgletscher-Muottas Muraigl. Drei Tage, 45 Teilnehmer.

Die letzten drei Fahrten sind bei unseren Sängern noch in bester Erinnerung. Zweimal ging es ins Ausland.
1945  An die drei Juraseen über Biel-Neuenburg-Murten-Freiburg-Bern. Zwei Tage, 65 Teilnehmer.
1950  An den Langensee, mit dem Besuch der Borromäischen Inseln. Hinfahrt durch den Gotthard, Rückreise über Brig–Lötschberg. Zwei Tage, 63 Teilnehmer.
1953  Unvergessliche Stunden verlebten während dreieinhalb Tagen 45 Teilnehmer auf der Fahrt ins weinselige Rheinland. Neben der herrlichen Schifffahrt Mainz-Koblenz werden die Aufenthalte in Frankfurt, Koblenz, Rüdesheim und Heidelberg immer  im Gedächtnis haften bleiben.

Die Vereinssatzungen
Dreimal in den letzten fünfzig Jahren hat der Chor seine Statuten neu gefasst, und zwar 1918, 1930 und 1941. Öfters wurden auch Teilrevisionen vorgenommen.
Bemerkenswert ist die Änderung  von §1. In den Statuten von 1905 lautete derselbe noch: „Der Gesangverein Frauenfeld ist ein Verein von Sängern und Sängerinnen, nämlich Männer-, Frauen- und Gemischter Chor." (Die hier erwähnten  Sängerinnen waren während etlicher Jahrzehnte dem Gesangverein bis zur Auflösung im Jahre 1906 als Frauenchor angeschlossen.)
Aber auch die Bussen für verspätetes Erscheinen zu den Proben oder das unentschuldigte Wegbleiben von Anlässen enthielten die neueren Ausgaben nicht mehr. Es will dies nicht heissen, dass die Sänger pünktlicher geworden sind oder an keinen  Proben mehr fehlen; die Bussen erwiesen sich aber wohl als untaugliches Mittel, um eine Besserung herbeizuführen, oder wurden als für einen Männerchor unwürdig abgelehnt.
In den Statuten von 1918 ist die Verabreichung des goldenen Sängerrings als Anerkennung für zwanzigjährige Mitgliedschaft enthalten. Heute werden zu Erreichung dieses Zieles allerdings 25 Jahre verlangt.
Neu seit 1953 ist ferner die Bestimmung, dass die Ehrenmitgliedschaft nicht mehr wie bis dahin automatisch, sondern nur noch für ausserordentliche Verdienste verliehen wird.

Die Fahnen des Vereins
Das alte Banner des Vereins von 1912 hat über vierzig Jahre dem Chor treu gedient. Von den meisten eidgenössischen und kantonalen Feste kehrte sie lorbeergeschmückt heim. Der Zahn der Zeit  ist aber auch an ihr nicht spurlos vorüber gegangen, die Seide ist brüchig geworden. Am Jubiläumstag, dem 9. Juli 1955, wird eine neue Fahne ihre Weihe erhalten. Entwurf Grafiker E. Bosshardt in Eschlikon, Ausführung Fahnenstickerei Heimgartner & Co. In Wil.


1905 -  Das fünfzigjährige Bestehen                                                             
Beim diesjährigen Jubiläumskonzert sowie  bei dem vierzehn Tage darauf stattfindenden  Eidgen. Sängerfeste in Zürich wird unser Männerchor in der Lage sein, mit der bisher noch nie erreichten Stärke von etwas mehr als 80 Sängern aufzutreten  und sich damit der Grösse nach an die Spitze aller thurgauischen  Vereine stellen, welche jemals einen kantonalen oder eidgenössischen Gesangeswettstreit besucht haben.

In einer weit weniger erfreulichen Verfassung wird unser fünfzigjähriges Jubiläum den Frauenchor antreffen. Überblicken wir seine wechselvollen Schicksale seit dessen Gründung im Jahre 1865, so muss gesagt werden, dass  die glücklichsten Zeiten für ihn jene waren, als Musikdirektor Keller und Sekundarlehrer Schweizer den Gesangverein leiteten. An die damals - 1865 - mögliche Aufführung etwa von Bruchstücken für gemischten Chor aus den Oratorien eines Joseph Haydn dürften wir uns heute nicht mehr wagen. Schuld daran trägt nicht etwa unser Vereinsdirigent, der sich stets die grösste Mühe gegeben hat, auch den gemischten Chor leistungsfähig zu erhalten, vielmehr muss die grosse Zersplitterung und ungleiche Verteilung der Gesangeskräfte hiesiger Stadt für den Niedergang unseres Frauenchors in erster Linie verantwortlich gemacht werden. Es ist nach und nach dahin gekommen, dass von den beiden grössten Gesangvereinen Frauenfelds in dem einen die weiblichen Stimmen ungewöhnlich zahlreich vertreten sind, während ihm das nötige Äquivalent von Männerstimmen fehlt, der andere hingegen verfügt über einen grossen und tüchtigen Männerchor, sieht aber dem Zeitpunkte  entgegen, da er auf die Mitwirkung  des schönen Geschlechts verzichten muss, was 1895-1897 schon einmal hat geschehen müssen. Wir werden unseren Frauenchor zu halten suchen, so lange es irgend tunlich erscheint. (Anmerkung: Der Mitgliederbestand  betrug 1905 21 Damen. Wie es weiterging? Siehe 1955 unter dem Abschnitt Vereinssatzungen, Statuten)  
Bei der Zahl der Passivmitglieder kann im grossen und ganzen ein kontinuierliches Ansteigen verzeichnet werden; sie beträgt im Jubiläumsjahre rund 170.

Seit der Zeit, da Oberrichter Ramsperger den Vorsitz führte, hat das Präsidium 11 mal gewechselt und sind 9 Dirigenten tätig gewesen.
(zwei Mal kam der Präsident aus den Reihen der Passivmitglieder: Regierungsrat Sulzberger 1865-1867 und Rektor Mann 1867-1870)

Dirigenten 1855-1905
Wydler H., Musikdirektor    1893 - 1905
Siegrist J., Lehrer, Islikon    1887 -  1893
Schweizer G., Sekundarlehrer   1876 -  1887
Bochsler, Wirt z. Plättli     1876
Rauchenecker G., Musikdirektor, W’thur   1875
Bär, Trompeteninstruktor    1872 -  1875
Som J., Lehrer     1870 -  1872
Keller E., Musikdirektor    1862 -  1870
Bumpacher P., Pfarrer    1855 -  1862

Präsidenten 1855-1905
Phillipe Dr. E., Chemiker    1903 - 1909
 Hoerni H., Msch.-Techniker ad.int.  1902 -  1903
 Osterwalder K., Ingenieur  ad.int.  1901 -  1902
Hueblin J., Kantonsgeometer   1898 -  1903
Gibel E., Kaufmann      1898
Kreis A., Telegraphenchef    1897 -  1898
Peter E., Goldschmied    1889 -  1897
Kreis A., Telegraphenchef    1882 -  1889
Osterwalder J. C., Fabrikant    1875 -  1882
Meyerhans, Fürsprech    1872 -  1875
Fuchs, Professor an der Kantonsschule  1870 -  1872
Mann, Rektor an der Kantonsschule  1867 -  1870
Sulzberger, Regierungsrat    1865 -  1867
Ramsperger, Oberrichter    1855 -  1865

Der gesamte Vorstand arbeitet ohne Besoldung; eine Ausnahme macht einzig und allein der Direktor. Pfarrer Bumbacher erhielt 1856 als Anerkennung für seine dem Verein seit dessen Gründung geleisteten Dienste die Summe von 50 Franken, und als er 1862 zurücktrat ein Geschenk, „bestehend in einem Dutzend silberner Messer und Gabeln". Als dann Direktor Keller 1862 die musikalische Leitung des Gesangvereins übernahm erhielt er die erste fixe Besoldung von 150 Franken pro Jahr, musste sich aber 1867 gefallen  lassen, dass diese auf 100 Franken reduziert wurde, da die Vereinskasse eine grössere Summe offenbar nicht entbehren konnte. „Im übrigen seien ihm seine Leistungen entsprechend zu verdanken." Mehr Glück hatte Sekundarlehrer Schweizer,  der mit 300 Franken honoriert wurde. Die Besoldung unseres Dirigenten stieg dann 1898 auf 400 Franken und beträgt seit 1903 500 Franken.
Als am 22. November 1856 die erste Generalversammlung des Gesangvereins stattfand konnte der damalige Kassier über 177 Fr. 90 Rp. Einnahmen und 173 Fr. 29 Rp. Ausgaben Rechenschaft ablegen; und bei der letzten Generalversammlung vom 12. November 1904  sind die Jahreseinnahmen  zu 3898 Fr. 36 Rp. verlesen worden , denen 2252 Fr. 60 Rp. an Ausgaben gegenüber standen.
Bei der Gründung des Vereins ist der jährliche Mitgliederbeitrag für alle unterschiedslos auf 3 Fr. festgesetzt worden. Seit 1903 haben die Mitglieder des Männerchors einen Betrag von 6 Fr., die des Frauenchors einen solchen  von 4 Fr.  zu zahlen. Die Passivmitglieder zahlen seit 1874 6 Fr.
Das die Einnahmen aus den öffentlichen Konzerten im allgemeinen nicht als eine Quelle des Reichtums angesehen werden können wird jedem einleuchten, der ungefähr einen Begriff davon hat, mit welchen Unkosten heutzutage Konzerte verbunden sind, welche unter Mitwirkung auswärtiger Solisten von Ruf stattfinden und den Anforderungen unserer modernen Zeit einigermassen entsprechen sollen.
Ein Blick in die Rechnungsbücher der letztvergangenen Jahre vermittelt die Erkenntnis, dass Einnahmen und Ausgaben sich ungefähr das Gleichgewicht halten; eine Vermögensvermehrung kann sich nur langsam vollziehen. Und würden wir nicht fast alljährlich durch Zuwendung von Legaten erfreut, so könnte es vorkommen, dass in einem für unsern Haushalt besonders kostspieligen Jahre ein empfindlicher Rückschlag zu verzeichnen wäre. In tiefer Dankbarkeit gedenken wir  hier der wiederholten materiellen Hilfsbereitschaft unserer Passivmitglieder, sowie der Unterstützung, welche die hiesige Bürger- und Ortsgemeinde uns mehrfach hat zukommen lassen.
In besonders glänzender Weise hat sich Frauenfelds Opfersinn für unseren Verein gezeigt, als wir vor etwas mehr als zwei Jahren den Besitz eines eigenen Konzertflügels erstrebten. Innerhalb eines kurzen Zeitraumes sind uns damals Geldspenden im Gesamtbetrag von 3473 Fr. zugeflossen. Der Betrag reichte aus um auch einen geeigneten Aufbewahrungsort für das wertvolle Instrument zu schaffen. In der hinteren Längswand, des uns als Probenraum dienenden Falkensaales , musste eine verschliessbare Nische ausgebaut werden.

Unser Arbeitsprogramm gestaltet sich seit einigen Jahren in der Weise, dass ausser den wöchentlich in der Regel einmal abzuhaltenden Gesangübungen im Laufe des Wintersemesters zwei Abendunterhaltungen stattfinden und im Monat  Februar jeweils ein öffentliches Konzert Zeugnis ablegt von den Fortschritten, welche in gesanglicher Beziehung gemacht worden sind. Als Konzertlokal dient uns in erster Linie der 1900 renovierte und vergrösserte Rathausaal, dessen einfachvornehme Ausstattung und vortreffliche Akustik ihn hierfür besonders geeignet machen.
Für Konzerte, welche unter Mitwirkung eines Orchesters stattfinden, sind die Raumverhältnisse des Rathaussaales leider nicht ausreichend, und so sind wir genötigt unser Jubiläumskonzert in die evangelische Kirche zu verlegen.

Der Gesangverein und die Sängerfeste
Zu den uns Menschen innewohnenden Trieben gehört auch das Bedürfnis, von Zeit zu Zeit unsere Kräfte mit denen anderer zu messen.
Bei den thurgauischen Kantonalsängerfesten ist der Wettgesang im Jahre 1874 eingeführt worden, während bis dahin nur Gesamtchöre oder Einzelvorträge der Verbands- und Gastvereine vertreten waren.
Um 1828 fand in Tägerwilen das erste Gesangfest auf kantonalem Boden statt.
Für die Durchführung des zweiten Festes des jungen Verbandes im Jahre darauf wurde Frauenfeld bestimmt. Es ist anzunehmen, dass in unserer Stadt schon damals gesungen wurde. Jedenfalls steht fest, dass bereits vor 1855 in Frauenfeld ein Männerchor  bestanden hat.

Der Männerchor Frauenfeld an Kantonalen  Gesangswettstreiten
1904  in Kreuzlingen

Wettlied des Männerchors: Arnold v. Winkelried von Schnyder
2. Lorbeerkranz
1901  in Weinfelden
Wettlied des Männerchors: Zieh’ mit! von Angerer
1. Lorbeerkranz
1895   in Arbon
Wettlied des Männerchors: Der Trompeter an der Katzbach von Möhring
2. Lorbeerkranz
1889  in Bischofszell
Wettlied des Männerchors: Einkehr von Sturm
1. Lorbeerkranz
1887  in Romanshorn
Wettlied des Männerchors: Schön Else von Hermes, Lorbeerkranz
Wettlied des gemischten Chors: O wie wunderschön ist die Frühlingszeit von Abt,
 Lorbeerkranz
1885  in Steckborn
 Wettlied des Männerchors: König in Thule von Becker
 Wettlied des gemischten Chors: Vorfrühling von Fretz
 Beide Chöre erhielten einen Lorbeerkranz für vorzügliche Leistungen
1881  in Arbon
 Wettlied des Frauenchors: Wanderes Nachtgebet von Gaugler
 Wettlied des gemischten Chors: Im Maien von Billeter
Keine Preisverteilung; Den Vereinen ist die Rangordnung schriftlich mitgeteilt worden.
1878  in Neukirch
 Wettlied des Männerchors: Margret am Tore von Attenhofer
 Wettlied des Frauenchors: Frühling und Liebe von Abt
1876  in Diessenhofen
Wettlied des Männerchors: Abschied vom Vaterland von Heim
3. Lorbeerkranz
1874  in Weinfelden
Wettlied des Männerchors: O wie wunderschön ist die Frühlingszeit von Abt
Preis

Der Männerchor Frauenfeld an Eidgenössischen  Sängerfesten
1899   in Bern

Wettlied: Frühling herein von G. Baldamus
Eichenkranz 1. Klasse
1886  in St. Gallen
Wettlied: Margret am Tore von Attenhofer
Lorbeerkranz der 2. Gruppe
1880  in Zürich
Wettlied: Das Herz  gehört dem Vaterland von Chwatal
Auszeichnung der 3. Gruppe
1875   in Basel
Wettlied: Vineta von Heim
Der Männerchor war der letzte in der Rangordnung
1873  in Luzern
Wettlied: Im Frühling  von Heim
10. Lorbeerkranz

In den Jahren 1865, 1883 und 1898 hat der Gesangverein Frauenfeld die selbständige Durchführung Thurgauischer Kantonalsängerfeste übernommen.

Der Gesangverein auf Reisen
Grössere Sängerreisen sind bis 1905 nur zweimal unternommen worden, und zwar in den Jahren 1893 und 1902.
Anstatt das Eidgen. Sängerfest in Basel zu besuchen, trat der Männerchor des Gesangvereines am 18. Juni 1893 eine zweitägige Sängerfahrt an welcher in der Besteigung des am Vierwaldstättersee gelegenen Fronalpstockes (1919 m) ihren Höhepunkt  erreichte.
Im Sommer 1902 machte sich der Männerchor wieder reisefertig um am 29. und 30. Juni und 1. Juli, von herrlichem Wetter begünstigt, eine Überschreitung des Jochpasses (2200 m) auszuführen. Über den Verlauf dieser Reise hat die Thurgauer  Zeitung am 6. und 13. Juli 1902 ausführlich berichtet.

Im Dienste des öffentlichen Lebens
Das sich für einen die Tonkunst pflegenden Verein verschiedentlich Gelegenheit bietet, sein Können in den Dienst der Wohltätigkeit oder eines gemeinnützigen Zweckes zu stellen, haben auch unsere Sänger wiederholt erfahren.
Erstes öffentliches Konzert im Jahre 1868, dessen Reingewinn einem Fonds zur Beschaffung der für die Handwerker-Sonntagsschule nötigen Werkzeuge zufallen sollte.
Im Jahre 1876 ein Gemeinschaftskonzert mit dem Cäcilienchor und dem Männerchor Kurzdorf zur Unterstützung der notleidenden Landsleute nach der Überschwemmung in der hiesigen Gegend.
Zwei Wohltätigkeitsaufführungen im Jahre 1879 für die Brandgeschädigten von Meiringen und die durch die verheerenden Wasserfluten um ihren Besitz gekommenen Bewohnern von Szegedin.

Die Anfänge des Vereines
So hat sich aus kleinen Anfängen heraus im Verlaufe von fünfzig Jahren die innere Gestaltung unseres Vereins vollzogen. Zu Beginn konnte der Männerchor Frauenfeld nichts anderes sein eigen nennen, als den guten Willen und die hingebungsvolle Tätigkeit einer Anzahl patriotisch gesinnter und edel denkender Männer, die seine Gründung veranlassten und ihn zu erhalten und zu befestigen bemüht waren. Auch das fünzigjährige Jubiläum sieht uns nicht im Besitze grosser materieller  Güter. Aber aus dem zarten Pflänzlein von 1855 ist ein Baum geworden, der manchem Sturme schon getrotzt hat, dessen Krone sich mehr und mehr hat ausbreiten können, und dessen Wurzeln in der Sympathie und dem Wohlwollen von Frauenfelds Einwohnerschaft einen sicheren Halt gefunden haben.

Die ersten genauen Angaben über die numerische Stärke unseres Vereins finden sich in einem Protokoll von Anno 1877, wonach der Männerchor 24, der Frauenchor 16 Köpfe zählte und 75 Passivmitglieder zu verzeichnen waren. Beim Männerchor lässt sich eine plötzliche Abnahme wiederholt auch dann konstatieren, wenn bei einem Sängerfeste nicht der Erfolg erzielt werden konnte, den man sich versprochen hatte, und infolgedessen besonders zartfühlende Seelen enttäuscht und missmutig ihren Austritt erklärten.

Das Leben des jungen Vereins war, wie es scheint schon nach einem Jahr ernstlich gefährdet. Am 27. Oktober 1856 musste die Frage behandelt werden ob es angezeigt sein den Fortbestand des Gesangvereins zu erhalten. Und im Jahre 1862 ging man mit dem Gedanken um sich mit der Kasinogesellschaft zu vereinigen was aber ungeschehen blieb.

1855 -  Gründung des Gesangvereins
Am Abend des 23. Oktober 1855  versammelte sich im Gasthause zum "Kreuz" eine Anzahl angesehener Einwohner von Frauenfeld zur Gründung (oder vermutlich der Wiedergründung) eines Männergesangvereins. Präsident wurde Oberrichter Ramsperger, Aktuar Oberrichter Messmer, Kassier Lehrer Bartholdi, der gleichzeitig auch das Amt eines Vizedirigenten versah. Die musikalische Leitung des Vereins übernahm Pfarrer Placidus Bumbacher. Ausserdem gehörten dem Vorstande noch an: Oberstl. Kappeler, Regierungrat Keller, Regierungsrat Sulzberger und Prof. Wolffgang.
Welche Mitgliederzahl unser Verein bei seiner Gründung im Jahre 1855 aufzuweisen hatte ist nicht mehr genau zu ermitteln gewesen. Doch können wir ungefähr wenigstens einen Schluss aus der Tatsache ziehen, dass in der konstituierenden Versammlung bei der Wahl des Dirigenten 34 Stimmen auf Pfarrer Bumbacher entfielen und wohl angenommen werden darf, dass dieser mit einer an Einstimmigkeit grenzenden Mehrheit gewählt wurde.
Weiterhin steht fest, dass gleich von Anfang an neben den Sängern auch die Kategorie der Passivmitglieder bestanden haben muss, da schon in den ersten Protokollen die singenden Mitglieder von den nichtsingenden ausdrücklich unterschieden werden.
Später ist dann noch der Frauenchor hinzu gekommen, der im Jahre 1865 bei Gelegenheit einer Statutenrevision erstmals erwähnt wird. (Auflösung 1906).


Quellenhinweis

  • Die Beiträge zu den Jahren 1905 bis 1955  wurden dem Mitteilungsblatt des Gesangvereins Frauenfeld Nr. 6. vom Mai 1955 – 100 Jahre Gesangverein Frauenfeld 1855-1955 entnommen. Verfasser Erwin Goetz, Präsident GVF 1947 - 1955.  

  • Die Beiträge zu den Jahren 1855 bis 1905 wurden der Festschrift zum Fünfzigjährigen Jubiläum des Gesangvereins Frauenfeld 1855-1905 entnommen. Verfasser Dr. Ernst Philippe, Präsident GVF 1903-1909.


Website      regioSingers - Gesangverein Frauenfeld         aktualisiert 11.12.2017 kn
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